Facepalm Beach: Düsseldorf Edition

Letztes Jahr habe ich auf der re:publica Konferenz in Berlin einen Talk über den Unterschied zwischen sexy und sexistischer Werbung gehalten. In diesem Vortrag stellte ich den fiktiven Ort Faceplam Beach vor, aus dem halbgare und müde provozierende Werbemaßnahmen kommen.

An diesen Vortrag musste ich denken, als ich heute auf dem Twitter-Account der Westdeutschen Zeitung Düsseldorf eine ganz besondere Blüte entdeckt habe. Ein etwas altbackener Hersteller von Kräuterlikören möchte durch Lokalkolorit und zynischem Humor auffallen.  Nun ist dieser Schuss nach hinten losgegangen. Unter dem Motto “Life is bitter” wird ein grauenhaft engstirniges und freudloses Menschenbild dargestellt. Es soll lakonisch-locker wirken. Tut es aber nicht.

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Was genau ist hier so garstig? Okay, hier ist die Antwort. Aber ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit meiner Kritik:

  1. Das Weltbild dieses Plakats ist auf heterosexuelle Männer reduziert, die gerne Kontakt zu Frauen hätten aber nur von Sexarbeiterinnen auf einem lokal einschlägigen Straßenstrich angesprochen werden.
  2. Die schlechte Lebenssituation der Sexarbeiterinnen wird von diesem Motiv verharmlost, die angesprochene männliche Person als verzweifelt dargestellt. Da hilft angeblich nur der Griff zur Flasche. Kann man machen. Muss man aber nicht.

Darauf mag man zwar entgegnen können, dass Werbung auffallen soll und böser Humor nun mal am besten “wirkt”. Okay. Kann man so sehen. Muss man aber auch nicht. Gute Satire, genialer Galgenhumor lebt nicht vom Tritt nach unten.

Vielmehr sind es die, die von oben getreten werden, die aufgrund ihrer unterlegenen Situation wirkungsmächtig bösen, zynischen und schwarzen Humor hervorbringen. Mir würden diverse Spielarten dieses Werbemotivs aus Hurensicht einfallen, aber die gehören nicht an eine Haltestelle der Rheinbahn, sondern ins Kabarett.

Doch welche Alternativen hätte ich vorgeschlagen, wenn ich in der Agentur bei der Gestaltung dieses Plakats dabei gewesen wäre? Mir fällt eine ähnliche Situation ein, die jedoch nicht so gruselig ist:

Den ganzen Abend angequatscht werden. Von Jungesellinnenabschieden in der Altstadt.

In dieser Variante sind Frauen zwar noch Gegenstand der bitteren Situation, der Standpunkt der angesprochenen Person ist aber offen. Jungesellinnenabschiede sprechen wahllos Leute an, um Spielchen zu spielen oder Dinge aus einem Bauchladen zu verkaufen. Man unterhält sich zwar mit denen aber gehört nicht wirklich dazu. Damit ist die subtile soziale Isolation immer noch mit impliziert. Bitter.

Das Wichtige ist, dass die Situation bekannt ist und eine lakonische Note mitschwingt: Bitter, wenn man nur für Partyspielchen besoffener Frauencliquen angesprochen wird. Dazu ist der Düsseldorfer Lokalkolorit mit drin.

Bam! Thank me later.